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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Der Flugplatz Biel

 

Die ersten konkreten Vorschläge  zur  Schaffung eines  Bieler Flugplatzes wurden kurz nach den Ersten Weltkrieg gemacht. 1919, als Walter Mittelholzer mit der „Mittelholzer&Co“ die erste Schweizer Fluggesellschaft gründete, schlug der Bieler Stadtrat Edmond Steiner vor,  die Bielerseebucht für die Landung von Wasserflugzeugen zu nutzen. Der freisinnige Politiker konnte darauf hinweisen, dass die Fluggesellschaft Ad Astra ihre erste Flugstation in Biel plane. Trotzdem wurde seine Motion 1920 knapp abgelehnt.

Noch im gleichen Jahr machten die Stadtbehörden den ersten Vorschlag für einen Flugplatz mit Landepiste. Das Projekt sah vor, das Ipsachmoos für den Flugverkehr zu nutzen. Am Flugtag vom 1. Oktober des folgenden Jahres zeigte sich, dass die Bieler Bevölkerung daran war, in das bisher modernste Verkehrsmittel Vertrauen zu fassen: Das Angebot, für 38 Franken mit einem Wasserflugzeug in die Lüfte zu steigen, wurde rege genutzt. Lag es an der Präsenz der Flugpioniere Henri Kramer (Biel) und Henri Pillichody (Genf)?
Erste konkrete Massnahmen im Hinblick auf den Bau eines Flugplatzes erfolgten erst 1927. Stadtpräsident Guido Müller reagierte auf die Absichtserklärung der Luftfahrtsgesellschaft Balair, eine Fluglinie Lausanne-Zürich zu schaffen. Müller wollte sich die Gelegenheit, Biel an den internationalen Flugverkehr anzuschliessen, nicht entgehen lassen. In Zusammenarbeit mit Lokalpolitikern aus Bözingen gelang es, zwölf Grundbesitzer zum Verkauf einer zusammenhängenden Fläche von 152 000 Quadratmetern im Bözingenmoos zu bewegen. Wieder wurde das Interesse für das Flugwesen mit verschiedenen  Veranstaltungen gefördert: Am 4. Oktober hielt Walter Mittelholzer einen Vortrag über seinen Afrikaflug und auf den 15./16. Oktober fanden auf dem Bözingenfeld vom Skiclub organisierte Flugtage statt, die trotz Nebels von tausenden Personen besucht wurden. Einige erlebten das Glück, als Passagier einer vierplätzigen oder einer neunplätzigen Junkers-Maschine der Balair einen Flug über Pieterlen, Lengnau, Büren, Büttenberg, Biel und Vingelz mitzuerleben. Am 4. November erfolgte als nächster Schritt die Gründung der „Luftschifffahrtsgesellschaft Aero Biel“, die sich für den baldigen Bau des Flugplatzes einsetzte. Schon fünf Monate später, am 26. April 1928, genehmigte der Stadtrat den Kaufvertrag für das künftige Flugplatzgelände. 

Bald darauf wurde Biel regelmässig von den Fluggesellschaften Balair und Ad Astra bedient, damit wurde die Stadt auch an das Luftpostnetz angeschlossen. Die ersten Postflüge fanden am 14. Mai 1928 statt, und zwar auf den Strecken Biel-Lausanne, Lausanne-Biel, Biel-Zürich und Zürich-Biel. Der tägliche Betrieb der Strecke Bern-Biel-Basel funktionierte ab dem 10. Juni 1929. Schon nach kurzer Zeit wurde allerdings klar, dass das Angebot zu wenig genutzt wurde, und die beiden Fluggesellschaften verlegten ihre Zwischenlandungen von Biel nach Bern. Es brauchte das finanzielle Engagement der Stadt, um dem Flugplatz Biel wenigstens einen Zubringerdienst zu sichern, nämlich mit den Strecken Bern-Biel-Basel und Basel-Biel-Bern. Doch auch diese Möglichkeit wurde zu wenig genutzt, und Biel wurde nur noch bei Bedarf angeflogen.

Quellen:

Bieler Chronik 1. 10. 1927-30. 9. 1928
Bieler Chronik 1. 10. 1928-30. 9. 1929
Biel vor 50 Jahren, L'année 1920 à Bienne
Biel vor 50 Jahren, L'année 1921 à Bienne
Bieler Tagblatt, 17. Oktober 1927
Tobias Kaestli, Das Rote Biel 1919-1939


AutorIn: Christoph Lörtscher
 
 
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