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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Albert Anker

Alber Anker malte u.a. Portraits von Kindern, Szenen mit religiösen und geschichtlichen Figuren, Stilleben und ländliche Landschaften. Er unterschied sich von seinem Lehrer Gleyre dadurch, dass er seine Figuren nicht makellos oder stilisiert malte, sondern sehr lebhaft.
 

Albert Anker (nach Taufrodel Albrecht) wurde am 1. April 1831 in Ins geboren. Zusammen mit seinem älteren Bruder Rudolf und seiner jüngeren Schwester Louise verbrachte er an der Müntschemiergasse, wo sein Vater, Samuel Anker, eine Tierarztpraxis betrieb, glückliche Kindheitstage. Nachdem sein Vater als Kantonstierarzt nach Neuenburg berufen worden war, zog die Familie in die aufstrebende Stadt am Neuenburgersee, wo Albert die welschen Schulen besuchte. Zeitlebens blieb er der französischen Sprache eng verbunden.

1847 starben kurz nacheinander sein Bruder und seine Mutter. Fünf Jahre später kehrte der Vater nach Ins zurück. Albert nahm nun - auf  Wunsch seines Vaters - an der Universität Bern das Theologiestudium auf, in seinem Herzen aber lebte der Wunsch, ein Maler zu werden. 1853 schrieb er seinem Vater den so genannten «Schicksalsbrief», in dem er um die Erlaubnis dazu bat. Die Antwort des Vaters lautete vorerst Nein; erst ein Besuch des Berner Professors Karl Wyss, zusammen mit dem befreundeten Pfarrer von Ins, brachte den Vater dazu, seine Einwilligung zum Berufswechsel seines Sohnes zu geben.

1854 zog der 23-jährige Albert mit 300 Franken Taschengeld seines Vaters nach Paris, wo er sogleich ins Atelier des Waadtländer Malers Charles Gleyre eintrat. Ein Jahr später wurde er in die «Ecole des beaux arts» aufgenommen. Früh konnte er in Paris seine Bilder verkaufen, nachdem sie im «Salon» ausgestellt waren. Nach dem Tode seines Vaters verheiratete er sich 1864 mit der Bieler Metzgertochter Anna Rüefli. Er richtete sich für seine Familie im ererbten Haus an der Müntschemiergasse eine Wohnung ein; im Dachstock des Hauses (es war das erste mit Ziegeln überdachte Haus im Dorf!) entstand ein grosses Atelier, in dem er von nun an arbeitete. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, wobei zwei Knaben bereits im frühesten Kindesalter verstarben.

Die Beziehung zu seinen Pariser Malerfreunden brach nie ab; so bezog er an der «Rue de la Grande Chaumière» eine Zweitwohnung. Während fast 40 Jahren pendelte er mit seiner Familie zwischen der Weltstadt Paris und dem ländlichen Seeländer Dorf hin und her: den Winter verbrachten sie in Paris, den Sommer in Ins.

Anker wurde schon zu Lebzeiten mit zahlreichen ehrenvollen Auszeichnungen bedacht. Kurz nachdem ihm von der Universität Bern die Ehrendoktorwürde verliehen worden war, erlitt er infolge eines Grossbrandes 1901 an der Müntschemiergasse einen Schlaganfall, der ihn vorübergehend rechtsseitig lähmte. Damit ging die Ölmalerei Ankers zu Ende; das auf der Staffelei stehende Bild «Die Konfirmandinnen» blieb unvollendet. In den letzten neun Jahren seines Lebens entstanden die so genannten «Spätaquarelle», bis etwa 1904 linkshändig gemalt. Im Juni 1910 starb Albert Anker. Er wurde auf dem Inser Friedhof beigesetzt.


AutorIn: Rolf Witschi
 
 
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