Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Durchbruch des Neuen Bauens

Stadt Biel - Arbeiter und Arbeiterinnen - Arbeitslosigkeit - Bahnhöfe - Baustile - Neues Bauen - Siedlungen und Quartiere - Wirtschaftskrisen - Zwischenkriegszeit




Das städtische Kanalisationssystem wurde saniert, das Strassennetz verbessert und asphaltiert, Teile des Schüsskanals wurden zugedeckt. Ergebnisse der Arbeitsbeschaffungsmassnahmen waren auch der Stadtpark, ein Sportplatz in Mett, die Doppelturnhalle Logengasse, die Schulhauspavillons Mühlefeld, die Strandbadhochbauten und das Post- und Bibliotheksgebäude Neumarkt.
 
Als Meilenstein in der Geschichte des schweizerischen Städtebaus gilt das seit 1930 im Stil des Neuen Bauens entstandene Bahnhofquartier. Nach einem allgemeinen Ideenwettbewerb 1918, dem Wettbewerb für die volumetrische Weiterbearbeitung 1924, an dem sich berühmte Architekten wie Braillard, Bernoulli und Laverrière beteiligten, entstand 1925 der Bebauungsplan mit Sonderbauvorschriften, die Gebäudehöhe, Hofeinbauten, Flachdachobligatorium, Fassadengestaltung, Reklamen und anderes regeln.
 
Der Bauboom beschränkte sich nicht auf Wohnquartiere und die Umgebung des Bahnhofs. 1926 wurden die Neubauten des Technikums ihrer Bestimmung übergeben, und es wurde das «Kino Metropol» eröffnet. Dem Spital im Pasquart wurde 1928 ein neuer Flügel angebaut, das Stadttheater wurde umgebaut sowie die Schweizerische Volksbank (heute CS) an der Nidaugasse/Ecke Dufourstrasse vollendet. Im Jahre 1929 wurde nirgendwo in der Schweiz so viel gebaut wie in Biel. Neben den erwähnten Realisierungen wurde die römisch-katholische Kirche an der Juravorstadt vergrössert. Zu Beginn der 30er-Jahre entstanden die Parkanlagen und Spielplätze am See, 1930 die Hauptpost am Bahnhofplatz, 1931 das «Hotel Elite», 1932 das Volkshaus, das Strandbad und der Sportplatz.
 
Der Kulmination der Wirtschaftskrise in der Mitte der 30er-Jahre begegneten die Behörden mit der Ansiedlung des Montagewerks der «General Motors» - eine Pionierleistung des Fabrikbaus von Ingenieuren der GM und Mitarbeitern des Stadtbauamtes. Die Montagehalle unter Sheddächern besteht aus zwei stützenfreien Längsschiffen von 30 Metern Breite und 140 Metern Länge; entlang der Salzhausstrasse gewährte eine Fussgängerpromenade Einblick auf das laufende Montageband.
 
Der Zweite Weltkrieg brachte eine Flaute in die Bauwirtschaft, aber nicht den Stillstand: 1941 wurden das Wyttenbachhaus und die Paulus-Kirche in Madretsch eröffnet. Auch die Häuserblöcke an der T.-Wyttenbach-Strasse, mit ihren betont waagrechten Linien, stammen aus den Kriegsjahren.


Autor: Jaroslaw Trachsel / Quelle: 1920